Warum die Ursachen für Fremdgehen auch in der Kindheit liegen [psychologisch erklärt]

Erfahrungen, die wir Menschen in romantischen Beziehungen machen, gehören zu den schönsten der Welt.

Dennoch können Beziehungen auch  der Ursprung von extrem schmerzvollen Erfahrungen sein – nämlich wenn es zu Fremdgehen kommt.

Die wissenschaftliche Forschung hat mittlerweile Zusammenhänge zwischen Fremdgehen und den so genannten Bindungsstilen aufgezeigt.

Diese Bindungsstile prägen sich in der Kindheit aus und dienen sozusagen als „Blaupause“ für die Beziehungen als Erwachsene.

Die Ursachen für Fremdgehen liegen zum Teil also auch in der Kindheit. Diesen Aspekt werden wir in diesem Guide ganz genau beleuchten.

Du erfährst, wie sich diese Bindungsstile in der Kindheit entwickeln und warum die Ursache für Fremdgehen dann oftmals ein „Regulationsmechanismus“ in der Beziehung ist.

Und schließlich schauen wir uns an, wie sich die Bindungserfahrungen in der Kindheit auf die Motivation auswirken, fremdzugehen.

Also los geht’s!

4 häufige Ursachen für Fremdgehen in der Kindheit

Herbert ist ein erfolgreicher Rechtsanwalt und schon seit vielen Jahren verheiratet. Dennoch fühlt er sich öfter unterschwellig unwohl, wenn er und seine Frau ständig „aufeinander kleben“.

Herberts Freunde betonen immer wieder die Bedeutung von Nähe und Verbindung in einer Beziehung – doch für Herbert hört sich das alles nicht so wirklich überzeugend an. 

Er hat lieber seinen Freiraum und wahrt somit auch eine gewisse Distanz zu seiner Frau.

Herbert schaut gern anderen Frauen nach, flirtet gerne und es ist für ihn ganz normal, dass er sich auch für andere Frauen interessiert.

Und auch letztens hatte Herbert wieder eine interessante Frau in der Arbeit kennenglernt.

Herbert ist schon wieder fremdgegangen.

Ob und wie wahrscheinlich Menschen fremdgehen kann die Ursache in der Kindheit haben. Das ist auch bei Herbert der Fall.

In seiner Kindheit hat er gelernt, dass es besser ist, unabhängig zu sein und die eigene Freiheit zu bewahren.

Aber welche Erfahrungen als Kind führen nun zur Herausbildung der so genannten Bindungsstile, die sich dann aufs Fremdgehen auswirken?

Schauen wir uns am besten 4 häufige Ursachen aus der Kindheit an!

#1 „Wankelmütige“ Eltern

Kinder empfinden Eltern als unsicher und wissen nicht, woran sie sind, wenn sie einmal Liebe bekommen und dann wieder nicht. Das Kind weiß also nie, ob es nun belohnt oder bestraft wird, ob alles passt oder nicht.

Das kommt beispielsweise vor, wenn…

  • die Eltern oft miteinander streiten oder
  • wenn ein Elternteil eine Depression hat und man von der Schule heimkommt und nicht weiß: Weint die Mama jetzt wieder oder kocht sie gut gelaunt etwas?

Aus diesen Erfahrungen als Kind entwickelt man im im Bindungsverhalten keine Stabilität, sondern eher Nervosität.

Es bildet sich eine generelle Verunsicherung gegenüber anderen Menschen heraus, man tut sich schwer mit Verlässlichkeit und entwickelt ein bindungsängstliches Verhalten.

Das sind dann Menschen, die nichts Langes aushalten und wo man selbst nie so genau weiß, woran man ist.

Ich möchte jedoch hier darauf hinweisen, dass sich aus diesen Erfahrungen in der Kindheit auch ein verlustängstliches Verhalten entwickeln kann.

Nämlich wenn man diese „Wankelmütigkeit“ der Eltern überkompensiert und als Erwachsener dann besonders stark aufeinander angewiesen sein möchte.

Es kommt also immer ganz stark drauf an, welchen Mechanismus man als Kind entwickelt, um diese Erfahrungen mit den Eltern zu verarbeiten und wie man das dann auch auf die eigenen Beziehungen im Erwachsenenalter überträgt.

#2 Das Kind wird in eine „erwachsene“ Rolle gedrängt

Kinder sollen in erster Linie „Kind sein“ dürfen.

Vielfach kommt es jedoch vor, dass die Kinder Aufgaben oder Rollen übernehmen müssen, die eigentlich den Erwachsenen vorbehalten sein sollten.

Beispiele sind hier:

  • Wenn ein Elternteil wenig Freunde hat und auch „erwachsene“ Gespräche mit den Kindern führt.
  • Wenn die Kinder Entscheidungen treffen müssen, die eigentlich die Eltern treffen sollten.
  • Wenn die Mutter nur den Job kriegt, wenn ihr das Kind erklärt, wie sie mit Microsoft Excel umgehen soll.

Man wird also als Kind in eine Rolle gedrängt, wo man nicht mehr „Kind sein darf“, sondern sich quasi wie ein Erwachsener verhalten soll.

Dies kann die Ursache sein, dass man als Erwachsener immer viel Abstand möchte, weil man gern in seiner eigenen Rolle bleiben möchte und nicht auch noch alles Mögliche von anderen aufgeladen bekommen mag.

Wie wir sehen werden, kann das Fremdgehen dann ein Regulationsmechanismus sein, um diese Grenzen dann auch zu wahren.

#3 Das Kind wird zur Projektionsfläche für Wünsche der Eltern

Vielfach sollen Kinder auch das ausleben, was die Eltern auch machten oder nicht machen konnten.

Oder auch, wenn es darum geht, Familienwerte weiterzuführen und weiterhin zu leben.

Schauen wir uns ein paar Beispiele an:

  • Wenn das Kind auch unbedingt Violine spielen oder ins Ballett-Training gehen muss.
  • Wenn das Kind auch im Fußballverein erfolgreich sein muss, weil der Papa dort Trainer ist.
  • Man lebt die Werte der Eltern weiter und es wird als selbstverständlich gesehen, dass man den Bauernhof oder das Familienunternehmen weiterführt.
  • Oder wenn die Eltern sagen: „Ich hab mir damals ja den Fuß gebrochen und konnte es nie ausleben, aber du hast jetzt die Chance dazu!“

Aus solchen Konstellationen kann es auch vorkommen, dass sich ein bindungsängstliches Verhalten herausbildet.

Man will als Erwachsener endlich Abstand haben, seine eigenen Entscheidungen treffen und nicht mehr ständig von den Eltern fremdbestimmt sein.

#4 Überbehütung in der Kindheit

Eine weitere Ursache für Fremdgehen liegt darin, wenn sich als Kind keine Individualität herausbilden konnte und wenn man es als Kind nicht geschafft hat, sich von den Eltern zu lösen.

Das passiert, wenn man zu nahe und zu eng mit den Eltern war und diese einen nicht loslassen konnten.

Und wenn die Eltern in weiterer Folge einen selbst dann oft auch als jungen Erwachsenen nicht loslassen wollten und einen nicht ermutigt haben, loszuziehen und das eigene Leben zu gestalten.

So hat man als Kind vielleicht nie gelernt, eigenständig zu sein und überträgt dieses Bedürfnis dann auch in eine Beziehung.

Das zeigt sich dann beispielsweise so:

  • Wenn der Partner weg ist, dann hält man es für die absolute Katastrophe.
  • Man will ständig wissen, wo der Partner ist und mag ständig Check-ins machen.
  • Wenn der Partner dann mal Grenzen setzen möchte, dann kommen Antworten wie: „Du liebst mich nicht!“

Menschen mit solchen verlustängstlichen Tendenzen können sich selbst ohne den Partner nur schwer spüren.

Du siehst also, dass sich das Bindungsverhalten, welches Menschen als Erwachsene zeigen, den Ursprung in der Kindheit hat. Und dieses Bindungsverhalten hat weiterhin auch Einfluss auf die Tendenz, warum Menschen fremdgehen.

Überblick: Welche Bindungsstile gibt es?

Herberts Verständnis von Beziehungen hat seinen Ursprung zum Teil auch in seiner Kindheit.

Wie Herbert seine Beziehungen und nun seine Ehe lebt, ist also maßgeblich von seinem eigenen Bindungsstil gekennzeichnet.

Und, wie gesagt, es gibt eine Verbindung zwischen dem Fremdgehen und dem Bindungsverhalten, welches seinen Ursprung in der Kindheit hat.

Deswegen schauen wir uns nun etwas genauer an, welche Bindungsstile es genau gibt.

Die 3 Bindungsstile

Um besser verstehen zu können, wie das Fremdgehen die Ursache auch in der Kindheit hat, schauen wir uns jetzt mal an, welche Bindungsstile es gibt.

Schau dir dazu mal die folgende Grafik an:

Man kann also zunächst unterscheiden zwischen „sicher“ und „unsicher“ gebundenen Menschen.

Wenn man sicher gebunden ist, dann macht sich keine Sorgen, dass der Partner zu nahe kommt und man hat auch nicht ständig Angst, dass man verlassen wird.

Für uns in diesem Guide sind jedoch die Kategorie „unsicher gebunden“ relevanter. Diese lässt sich nämlich nochmal unterteilen in die schon angesprochenen Ausprägungen:

  • Verlustängstler und
  • Bindungsängstler.

Schauen wir uns diese beiden Ausprägungen noch etwas genauer an.

Bindungsängstliches Verhalten

Der Bindungsängstler ist charakterisiert durch folgendes:

  • Zu viel Nähe ruft Unbehagen hervor.
  • Will unabhängig bleiben.
  • Ist in einer Beziehung eher distanziert zum Partner, demnach ist auch das Commitment zum Partner nicht so groß.
  • Haben kein Problem damit, Sex auch ohne Emotionen zu haben.
  • Ständige Sorge, dass zu viel Nähe entsteht und man eingeschränkt wird.

Herbert von weiter oben ist ein klassisches Beispiel für einen Bindungsängstler.

Verlustängstliches Verhalten

Ein Verlustängstler zeigt sich durch folgende Verhaltensweisen:

  • Wünscht sich viel Nähe und dass man aufeinander angewiesen ist.
  • Hat immer die Sorge, ob eh genug Nähe vorhanden ist.
  • Definiert den eigenen Selbstwert auch ein stückweit dadurch, dass man vom Partner „gebraucht“ wird.
  • Hat ein tiefes Verlangen, vom Partner Aufmerksamkeit zu bekommen, kombiniert mit der ständigen Angst, verlassen zu werden.

Wie sich der in der Kindheit entwickelte Bindungsstil aufs Fremdgehen auswirkt

Vielfach macht man es sich leicht und versteigt sich in allzu simplen Erklärungen, wie sich der Bindungsstil aufs Fremdgehen auswirkt.

Man würde vielleicht vermuten, dass ausschließlich der Bindungsängstler zum Fremdgehen neigt, weil sich dieser ja – wie Herbert – die eigenen Freiheiten ausleben möchte.

Aber wie die wissenschaftliche Forschung zeigt, kann auch Verlustangst mit Fremdgehen zusammenhängen!

Darum steigen wir nun etwas tiefer ein in die Ursachen, wie Bindungsstil und Fremdgehen miteinander einhergehen.

Fremdgehen als Ursache von Konflikten in der Beziehung

Grundsätzlich sollen in einer gesunden und harmonischen Beziehung die beiden Bedürfnisse nach Autonomie und Nähe in Balance sein.

Bei sicher gebundenen Menschen ist dies der Fall, diese tun sich leicht, diese Balance aufrechtzuerhalten.

Unsicher gebundene Menschen haben jedoch Probleme, diese Balance zu leben und gleiten gemäß ihrem Bindungsstil in eines der beiden Extreme ab.

Das führt auch dazu, dass in Beziehungen mit ausgeprägt unsicher gebundenen Tendenzen oftmals auch mehr Konflikte an der Tagesordnung stehen.

In Herberts Ehe kommt es auch oftmals zu Streit, weil Herberts Frau gerne mehr Zeit mit ihm verbringen würde, Herbert aber ständig abblockt und auf seine Freiheit pocht.

Das heißt:

Der Bindungsstil kann also auch die Zufriedenheit in der Beziehung beeinflussen, also die sexuelle Befriedigung, Intimität, Kommunikation oder Konfliktlösung.

Somit ist die Beziehung auch konfliktreicher und es gibt mehr negative Interaktionen in der Beziehung, was oftmals ein (Mit)Auslöser für Fremdgehen ist.

Wir werden im nächsten Kapitel noch sehen, dass diese negativen Erfahrungen in der Beziehung für Bindungs- und Verlustängstler ganz unterschiedliche Motivationen bewirken, warum sie fremdgehen.

Fremdgehen ist also ein „Regulationsmechanismus“

Zusätzlich fungiert Fremdgehen auch als „Regulationsmechanismus“ für Intimität in der Beziehung.

Durch das Verhältnis außerhalb der Beziehung wird also das eigene Bedürfnis nach Autonomie oder Nähe „reguliert“.

Der Bindungsängstler holt sich durch das Fremdgehen demnach Autonomie zurück.

Denn beim Fremdgehen kann man klare Grenzen setzen und zusätzlich ist das Techtelmechtel ohnehin nur von kurzer Dauer und somit ungezwungen.

Der Verlustängstler hingegen holt sich beim Fremdgehen vielleicht jene Nähe, die in der Beziehung fehlt.

Das Fremdgehen ist also in diesem Fall ein Ausgleichsmechanismus für Nähe, die man vom Haupt-Partner nicht bekommt.

Warum Bindungs- und Verlustängstler fremdgehen

Wie du im letzten Abschnitt schon gesehen hast, wirkt das Fremdgehen oftmals als Regulationsmechanismus für den eigenen Bindungsstil, welcher die Ursache in der Kindheit hat.

Wir wollen uns das nun noch etwas genauer ansehen und besprechen, aus welchen Gründen Bindungs- und Verlustängstler fremdgehen.

Warum Bindungsängstler fremdgehen

Bindungsängstler haben oft eine erhöhte eigene Akzeptanz, nicht ausschließlich mit Partner Sex zu haben und eine Neigung, nur kurze sexuelle Beziehungen zu führen.

Sex muss für Bindungsängstler oftmals auch nicht mit emotionaler Nähe einhergehen.

Bindungsängstler zeigen oftmals auch nicht ein allzu starkes Commitment zur Haupt-Beziehung, weil sie ihre Autonomie und Unabhängigkeit erhalten wollen.

Aus diesen Gründen nehmen Bindungsängstler auch eher potenzielle „Optionen“ zum Fremdgehen wahr. Mehr über diese Dynamik erfährst du übrigens auch in unserem Artikel zu den 7 Phasen einer Affäre.

Dies führt schließlich auch zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass man sich dieser Option hingibt.

Die Neigung, selber diesen Schritt dann zu beschreiten und fremdzugehen ist somit erhöht.

Warum Verlustängstler eine Affäre eingehen

Fremdgehen ist auch für Verlustängstler ein Regulationsmechanismus.

Wie du ja schon erfahren hast, sehnen sich Verlustängstler nach viele Nähe, emotionaler Erfüllung und dass man aufeinander angewiesen ist in der Beziehung.

Zusätzlich haben Verlustängstler oft auch ein negatives Selbstbild und möchten deswegen Bestätigung von anderen haben.

Wenn es also in der Beziehung aus Sicht der Verlustängstler zu wenig Nähe gibt oder es auch seitens des Partners zu wenig Bestätigung gibt, dann sucht man sich dies oftmals außerhalb der Beziehung.

Und das ist insbesondere dann der Fall, wenn es in der Beziehung vielleicht gerade ohnehin viele Konflikte gibt und die Verbindung beider Partner darunter leidet.

Im Guide zu den 7 Phasen der Affäre erfährst du ja, dass jede Affäre ja mit einem „Bemerken einer Option“ einhergeht.

Falls es in der Beziehung also gerade ein Defizit an Nähe gibt und man jemanden trifft, der diese Nähe vermeintlich geben kann, so wird man empfänglich, sich auf diesen Menschen einzulassen und fremdzugehen.

Wie geht es für dich weiter?

Das Bindungsverhalten bestimmt nicht allein, ob Menschen fremdgehen, vielmehr gibt es hier vielfache Ursachen und Motivationen.

Wenn du dazu mehr erfahren möchtest, dann schau dir gern diesen Guide von uns an: >>> Gründe für Fremdgehen: Das sagt die Wissenschaft dazu!

Und falls du eine Frage zum Thema hast, dann schreib gern in die Kommentare, ich würde mich freuen, von dir zu hören.

Alles Liebe,

Stephan

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