Ein ängstlicher Bindungsstil zeigt sich in großer Angst vor Verlassenwerden und Zurückweisung.
Das macht es oft herausfordernd, mit ängstlichen Personen eine Beziehung zu führen.
In diesem Blogartikel erfährst du alles zum ängstlichen Bindungstyp:
Wie dieser entsteht, wie sich ängstliche Personen verhalten und wie eine Beziehung dennoch gelingt, wenn ein Partner ängstlich gebunden ist.
Wir haben viel vor, fangen wir an!
Überblick: Das alles erwartet dich hier!
Damit du die für dich relevanten Infos schnell findest, kannst du direkt zu den passenden Abschnitten springen:
Wie entsteht ein ängstlicher Bindungsstil? Spannend, wenn du die Ursachen besser verstehen willst.
Checkliste: Daran erkennst du den ängstlichen Bindungstyp! Ideal, wenn du schnelle Anhaltspunkte suchst.
Der ängstliche Bindungstyp beim Dating. Hilfreich, wenn du selbst datest oder jemanden kennenlernst.
Wie verhalten sich ängstlich gebundene Menschen in einer Beziehung und was sind ihre „Trigger“? Super wichtig, wenn dein Partner ängstlich gebunden ist oder du selbst darunter leidest.
Ängstliche Personen bei einer Trennung. Relevant, wenn du gerade Liebeskummer hast oder verlassen wurdest.
Wie gelingt eine Beziehung mit einem ängstlichen Partner? Interessant, wenn es wegen dem ängstlichen Bindungstyp oft zu Konflikten in der Beziehung kommt.
Persönliche Stärken von ängstlichen Personen. Erfahre, wo der ängstliche Bindungstyp aufblüht!
Wie entsteht ein ängstlicher Bindungstyp?
Unsere Art, wie wir Beziehungen erleben und gestalten, hat oft ihren Ursprung in der Kindheit.
Schon ganz alltägliche Situationen, wie ein Kind, das beim Spielen hinfällt und sich das Knie aufschürft prägen, wie wir uns später in Beziehungen fühlen.
Entscheidend ist, wie die Bezugspersonen auf diese Erlebnisse reagieren.
Stell dir Sophie, ein fünfjähriges Mädchen, vor.
Sie rennt über den Spielplatz, stolpert und fällt hin.
Noch bevor sie richtig merkt, ob es weh tut, ist ihre Mutter schon neben ihr, hebt sie hoch, pustet, drückt und sagt: „Oh nein, das war ja schrecklich! Pass doch besser auf, du kannst das doch nicht allein…“
Sophie spürt: Mama ist da, aber gleichzeitig vermittelt sie ihr, dass die Welt gefährlich ist und Sophie alleine nicht stark genug ist.

Nähe ist immer da, aber oft ist es fast zu viel. Es entsteht ein Gefühl von Abhängigkeit und Unsicherheit.
Ein ängstlicher Bindungsstil entsteht natürlich nicht allein dadurch, wie Sophies Mutter in dieser einen Situation reagiert.
Entscheidend ist vielmehr das grundsätzliche Muster, das sich durch viele kleine Erlebnisse im Alltag zieht.
Wenn ein Kind immer wieder erlebt, dass seine Gefühle zwar gesehen werden, es aber gleichzeitig die Botschaft bekommt: „Du schaffst das nicht allein“, dann verinnerlicht es diese Erfahrung.
Übermäßige Fürsorge, wechselhafte Reaktionen oder unterschwellige Ängste der Eltern können dazu führen, dass das Kind Sicherheit in anderen Menschen sucht, sich selbst aber nicht als ausreichend stark für die Welt empfindet.

Alle Interaktionen mit Sophies Bezugspersonen prägen ihren Bindungsstil.
Dort hat sie gelernt, wie Beziehung funktioniert.
Diese „Umgangsform“ fühlt sich für sie vertraut an und deshalb trägt sie ihn dann später so auch in ihre Beziehungen.
Den ängstlichen Bindungstyp besser verstehen und erkennen
Gehen wir in der vorhin begonnen Geschichte von Sophie etwas weiter.
Sophie hat schon früh gelernt, dass ihre Mama immer sofort da ist, wenn etwas passiert.
Manchmal sogar, bevor Sophie selbst merkt, ob sie Hilfe braucht.
Dieses Muster hat ihr vermittelt: „Andere Menschen sind zuverlässig und können mir Unterstützung geben.“
So entwickeln Menschen mit einem ängstlichen Bindungsstil meist ein positives Bild von anderen.
Sie nehmen ihre Mitmenschen als vertrauensvoll und fürsorglich wahr.
Das Bild von sich selbst ist jedoch weniger stabil.
Dieses negative Selbstbild führt dazu, dass Menschen wie Sophie sehr empfindlich auf Zurückweisungen reagieren.
Sie fühlt sich selbst verantwortlich dafür, wenn sie nicht ausreichend Zuneigung bekommt.
Weil Sophie Nähe so sehr braucht, hat sie ein starkes Bedürfnis nach einer Beziehung und das Gefühl, die Unterstützung von anderen immer zu brauchen.
Sie kann also nicht gut mit sich allein sein.
Genau das bringt Schwierigkeiten mit sich: Beziehungen fühlen sich für sie oft wie eine Achterbahn der Gefühle an.
Zwischen Momenten voller Verliebtheit und Glück rutscht sie schnell in starke Verlustängste und Sorgen, wenn sich ihr Partner mal von ihr abwendet oder weniger Zeit mit ihr verbringt.
Sie sehnt sich nach ständiger Anerkennung und Bestätigung vom Partner, als würden sie immer wieder hören wollen: „Du bist wichtig. Du bist geliebt.“
Schon kleine Enttäuschungen können deshalb tiefe Verletzungen hinterlassen und ihr negatives Selbstbild wird verstärkt.
Wie erkennt man ängstlich gebundene Personen beim Dating?
Um zu verstehen, wie man ängstlich gebundene Personen beim Dating erkennt, blicken wir wieder auf Sophie, so lässt sich alles besser nachvollziehen.
Denn Sophies ängstlicher Bindungsstil zeigt sich auch schon bei ihrer Partnersuche.
Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit ängstlichem Bindungsstil eher Dating-Apps nutzen als vermeidende Bindungstypen, so auch Sophie.
Die Gefahr hier auf Ablehnung und Zurückweisung zu stoßen, ist geringer als im realen Leben.
Am Anfang wirkt Sophie beim Chatten oft selbstbewusst und locker.
Auf der App gelingt es ihr gut, eine Maske aufzusetzen.
Sie schreibt offen, interessiert und wirkt wie jemand mit einem sicheren Bindungsstil.
Doch es dauert meist nicht lange, bis ihre Unsicherheit spürbar wird:
- Sie schreibt viele Nachrichten hintereinander, wenn sie länger keine Antwort bekommt.
- Schon nach kurzer Zeit teilt sie sehr persönliche Informationen, um möglichst schnell Nähe herzustellen.
- In Gedanken malt sie sich aus, dass genau dieser Mensch die große Liebe sein könnte.
Kommt es schließlich zum ersten Treffen, ist Sophie extrem nervös.
Sie möchte um jeden Preis gefallen und hat große Angst, abgelehnt zu werden.
Sie redet viel über sich, um sich selbst möglichst positiv darzustellen und verbiegt sich dabei fast.
Gleichzeitig beobachtet sie jedes kleine Signal ihres Dating-Partners, als könnte ein kurzer Blick oder eine Geste ihr gesamtes Schicksal entscheiden.
Wie nimmt sie ihr Dating-Partner wahr?
- Er spürt ihre Aufregung durch ihre Art zu sprechen,
- ihren unsicheren Umgang mit Blickkontakt (entweder zu flüchtig oder übermäßig lang) oder durch ihre
- Körpersprache, die zwischen Anspannung und dem Bedürfnis nach Nähe schwankt.
Sophies Dating-Erfahrungen sind für sie ein ständiger Drahtseilakt zwischen der übermäßigen Hoffnung auf Nähe und die große Liebe und der beißenden Angst, wieder enttäuscht, verlassen und verletzt zu werden.
Achtung ganz wichtig:
Bindungsstile sind keine Schicksalsurteile.
Auch wenn das Verhalten des Dating-Partners auf einen ängstlichen Bindungsstil hindeutet, muss dem nicht unbedingt gleich so sein.
Und selbst wenn dem so ist, kann mit Bewusstsein und Arbeit an sich selbst am Bindungsstil gearbeitet werden.
Mehr dazu, wie man am eigenen ängstlichen Bindungstyp arbeiten und eine Verlustangst überwinden kann, erfährst du in diesem Blogbeitrag von uns:
>>> Verlustangst überwinden: 6 wirksame Schritte zur emotionalen Freiheit!
Checkliste: Daran erkennst du den ängstlichen Bindungstyp!
Übermäßige Sorge um Ablehnung und Trennung: Ängstliche Bindungstypen neigen dazu, übermäßig besorgt über die Verfügbarkeit und Reaktionen ihres Partners zu sein.
Sie haben ständig Angst, abgelehnt oder verlassen zu werden und suchen ständig nach der Bestätigung ihrer Bindung.
Intensive Emotionen und Reaktionen: Ängstliche Personen zeigen oft starke emotionale Reaktionen, wie z.B. Angst, Eifersucht oder auch Wut schon bei kleinsten Zurückweisungen.
Sie neigen dazu, ihre Emotionen sehr intensiv zu erleben und haben Schwierigkeiten, diese zu regulieren.
Bedürfnis nach ständiger Bestätigung: Ängstliche Bindungstypen benötigen in ihrer Beziehung eine ständige Bestätigung und Aufmerksamkeit, um sich sicher und geliebt zu fühlen.
Sie neigen dazu, ihre Bedürfnisse übermäßig ins Außen zu verschieben und sind stark von der Zustimmung anderer abhängig.
Angst vor Verlassenwerden: Ängstliche Personen haben eine tiefe Angst vor dem Verlassenwerden.
Deswegen klammern sie sich oft regelrecht in ihrer Beziehung fest oder machen sich komplett abhängig vom Partner.
Schwierigkeiten mit Vertrauen und Sicherheit: Personen mit einem ängstlichen Bindungsstil haben Schwierigkeiten, Vertrauen in ihren Partner aufzubauen und sich in der Beziehung sicher zu fühlen.
Als Folge prüfen sie die Beziehung (und den Partner!) auf Unstimmigkeiten.
Wie verhalten sich ängstliche Personen in einer Beziehung?
Nach einer gar nicht mal so langen Zeit auf den Dating-Apps findet Sophie jetzt endlich ihren Partner fürs Leben.
Die erste Zeit mit rosaroter Brille ist die so schön für Sophie, sie will ihren Partner gar nicht mehr loslassen.
Nach den ersten paar Monaten wird die Beziehung für beide herausfordernder.
Sophie hat schon früh gelernt: „Ich brauche jemanden, der da ist, sonst schaffe ich es nicht.“
Dieses Muster begleitet sie auch als Erwachsene.
Ihren Partner erlebt sie nicht nur als Gefährten, sondern fast wie ein Heilmittel für ihre eigenen emotionalen Bedürfnisse.
Der bloße Gedanke, ohne ihn zu sein, kann in ihr panische Angst auslösen.
So wird selbst eine harmlose Situation, zum Beispiel wenn ihr Partner einen Abend mit Freunden verbringen möchte für Sophie schnell zu einer großen Bedrohung.
Ihre Angst, verlassen zu werden, zeigt sich dann in einem klammernden, unsicheren und vielleicht sogar eifersüchtigen Verhalten.
Die Suche nach ständiger Bestätigung als Konfliktherd in der Beziehung
In ihrem Partner sucht Sophie ständig die Bestätigung, dass sie liebenswert und „genug“ ist.
Weil die Beziehung für sie den höchsten Stellenwert hat, kreisen ihre Gedanken oft um die Frage, ob sie ihn verlieren könnte. Sophie achtet penibel auf kleinste Veränderungen im Verhalten ihres Partners.
Schon eine verspätete Antwort auf eine Nachricht oder ein kurzer, distanzierter Blick können genügen, um Eifersucht oder Misstrauen in ihr auszulösen.
Damit beginnt oft eine Abwärtsspirale:
- Sophies klammerndes Verhalten löst bei ihrem Partner irgendwann das Bedürfnis nach mehr Distanz aus.
- Ihr Partner kann es kaum schaffen, ihr so viel Bestätigung zu geben, dass sich liebenswert und „genug“ fühlt.
- Sein Frust darüber und seine Distanz verstärken bei Sophie wiederum die Angst, verlassen zu werden und sie klammert noch stärker.
Ein Teufelskreis, aus dem sie nur schwer herausfindet.
Weil Sophie kaum erträgt, alleine zu sein, tut sie alles, um in der Beziehung zu bleiben.
Selbst wenn sie spürt, dass es ihr damit nicht gut geht, überwiegt ihre Angst vor einem möglichen Ende.
Potenzielle (Verlustangst-)Trigger für den ängstlichen Bindungsstil
Menschen mit einem ängstlichen Bindungsstil wirken nicht ständig anhänglich oder bedürftig.
Im Gegenteil, oft können sie ganz unbeschwert und liebevoll in ihrer Beziehung sein.
Doch bestimmte Situationen triggern das Bindungssystem von ängstlichen Personen, und dann flammt die Angst vor Verlust oder Zurückweisung plötzlich doch auf.
Man spricht in diesem Fall von so genannten (Verlustangst-)Triggern.
Bei Sophie zeigt sich das zum Beispiel, wenn ihr Partner ungewohnt distanziert wirkt.
Wenn er weniger Nachrichten schreibt oder beim gemeinsamen Abendessen stiller ist als sonst, beginnt ihr Kopf sofort zu arbeiten: „Habe ich etwas falsch gemacht? Liebt er mich nicht mehr?“
Weitere typische Auslöser können sein:
- Der Partner vergisst ein wichtiges Datum wie ein Treffen mit Sophies Freunden, den Besuch ihren Eltern oder sogar den Jahrestag
- Er gibt jemand anderem ein Kompliment, aber hat Sophie schon länger keins mehr gemacht
- Er redet auf einer Feier ungewöhnlich lange mit einer gemeinsamen Freundin und lacht dabei viel
- Er antwortet nicht mehr auf Sophies Nachricht oder nur sehr zeitverzögert
- Er sagt unerwartet ein Treffen ab, weil er doch noch länger arbeiten muss oder gibt gar keine Erklärung
- Er kommt später nach Hause als angekündigt, ohne sich vorher zu melden
Wie der ängstliche Bindungsstil auf die Trigger reagiert
In solchen triggernden Momenten springt bei Sophie die innere Alarmanlage an.
Für andere Menschen sind diese Ereignisse Kleinigkeiten, die sie vielleicht erst bemerken würden, wenn sie häufiger auftreten.
Sophie ist aber so feinfühlig dafür, dass sie schon viel früher glaubt ein Problem in ihrer Beziehung zu erkennen.
Plötzlich dreht sich alles nur noch darum:
- Sie denkt obsessiv an ihren Partner und analysiert jede Bewegung.
- Nachts findet sie kaum Schlaf, weil sie sich Sorgen darüber macht.
- Wenn sie ihn auf ihr Gefühl anspricht, winkt er ab und sie fühlt sich leer und unverstanden.
- Sie sucht übermäßig die Nähe ihres Partners, schreibt ihm viele Nachrichten und versucht sich durch mehr Zuspruch und Bestätigung abzusichern und zu kontrollieren, dass alles in Ordnung ist.
- Manchmal geht es so weit, dass sie dann trotzig wird und auf Abstand geht, indem sie seine Nachrichten nicht beantwortet. Sie hofft, dass er so vielleicht auf sie aufmerksam wird.
Wenn Sophie das Gefühl hat, dass die Verbindung zu ihrem Partner bedroht ist, kommt ihre Verlustangst hoch.
Ihre Strategie:
Sie braucht mehr Sicherheit von ihrem Partner.
Sicherheit bedeutet Nähe. Sie klammert sich an ihn.
„Persönliche Stärken“ des ängstlichen Bindungsstils
Wenn du das jetzt so liest, denkst du dir vielleicht: „Oh Gott, das muss ja super anstrengend sein, mit einem ängstlich gebundenen Menschen zusammen zu sein.“
Und vielleicht resignierst du auch, weil du selbst ängstlich gebunden bist?
Aber es ist zu kurz gedacht, nur die Schwierigkeiten des ängstlichen Bindungsstils zu sehen.
Ein ängstlicher Bindungsstil hat definitiv auch Stärken.
Blicken wir wieder auf Sophie.
Sie verliebt sich leicht und wenn sie einmal jemanden gefunden hat, den sie liebt, dann gibt sie alles für diese Beziehung.
Sie investiert enorm viel Energie, Aufmerksamkeit und Fürsorge, um sicherzustellen, dass ihre Partnerschaft stark bleibt.
Ihr Partner fühlt sich dadurch gesehen und gehört. Die Beziehung fühlt sich stabil an.
Ein weiteres Geschenk, das Sophie in eine Beziehung einbringt, ist ihre Fähigkeit, den Partner aufzubauen und seine guten Seiten hervorzuheben.
Besonders wenn dieser mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat, kann Sophies Wertschätzung helfen, neues Vertrauen in sich zu gewinnen.
Darüber hinaus ist Sophie extrem feinfühlig.
Sie ist sensibel für die Bedürfnisse ihres Partners und bemerkt oft schon kleine Signale, die anderen entgehen würden.
Egal, ob das ein bestimmter Tonfall ist, eine kleine Geste oder ein unausgesprochener Wunsch.
Sophie registriert das alles und ist bereit, darauf einzugehen.
Ihre hohe Empathie macht sie zu einer Partnerin, die sehr aufmerksam und fürsorglich ist.
Der ängstliche Bindungsstil bei der Trennung
Nach vielen Höhen und Tiefen in der Beziehung kommt der Tag, an dem Sophies Partner die Entscheidung trifft, sich zu trennen.
Er hält das Klammern und die Kontrolle nicht mehr aus.
Es kommt ihm vor, als könnte er kaum mehr atmen.
Für Sophie ist das ein Schock und gleichzeitig die Bestätigung ihrer größten Ängste.
Menschen mit einem ängstlichen Bindungsstil gehen selten selbst den Schritt zur Trennung.
Alleinsein ist ihre größte Angst, darum versuchen sie mit allen Mitteln, das Ende hinauszuzögern.
Meist sind sie es, die verlassen werden. So auch bei Sophie.
Diese Erfahrung verstärkt ihr ohnehin fragiles Selbstwertgefühl.
Sie fühlt sich jetzt darin bestätigt, dass sie nicht gut genug ist und nicht liebenswert.
Ängstliche Personen sind wachsam gegenüber Bedrohungen für die Beziehung
Schon Wochen bevor die Trennung ausgesprochen wurde, war Sophie sehr wachsam gegenüber allem, was ihr Partner gesagt oder getan hat.
Sie nahm jedes Detail als mögliches Warnsignal wahr:
- eine verspätete Antwort,
- weniger Zärtlichkeit oder
- ein abgesagtes Treffen.
Aus Angst, ihren Partner zu verlieren, klammerte sie stärker, suchte nach Bestätigung und genau diese Überreaktion führte zu mehr Konflikten und Distanz.
Am Ende wurde aus ihrer Verlustangst eine selbsterfüllende Prophezeiung.
Intensive (Trennungs-)Emotionen
Als die Beziehung endgültig zerbricht, fühlt Sophie einen Schmerz, der weit über „normale“ Trennungstrauer hinausgeht.
Es ist, als würde ein Teil von ihr sterben.
Sie vermisst ihren Ex-Partner so sehr, dass sie das Gefühl hat, es nicht ertragen zu können. Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit und innere Unruhe bestimmen ihre Tage.
Alte Gefühle aus der Kindheit (damals war Bindung tatsächlich überlebenswichtig) brechen jetzt mit voller Wucht wieder hervor.
Diese Extremreaktion kann auch zu Depressionen, Angststörungen sowie somatischen Erscheinungen, also beispielsweise Schlafstörungen, Appetitlosigkeit etc. führen.
Solltest du das gerade auch durchmachen, suche dir auf jeden Fall Hilfe. Du musst das nicht alleine schaffen!
Verlangen nach Ex zurück
Sophie ist überzeugt, dass diese Trennung ein Fehler war.
In ihrem Inneren ist sie sicher: „Wir gehören doch zusammen.“
Also überlegt sie, was sie tun könnte, um ihn zurückzugewinnen.
Achtung:
Die Gefahr ist groß, dass sie beginnt, sich zu verbiegen oder ihre eigenen Bedürfnisse hintenanstellt, nur damit die Beziehung eine zweite Chance bekommt.
Ohne echte Veränderung des dahinterliegenden Bindungsstils bzw. der Lösung der Trennungsgründe würden früher oder später dieselben Schwierigkeiten aufkommen und das Ganze schnell in einer On-Off-Dynamik enden.
Deswegen ist es immer wichtig, auf die eigenen Werte zu achten und Veränderungen nur dann zu machen, wenn sie mit den eigenen Werten vereinbar sind!
Denn nur, wenn man sich nicht für die Beziehung verbiegen muss, kann sich ein Gefühl der Sicherheit und damit eine langfristige, glückliche Beziehung einstellen.
Gedankenchaos, Grübeleien und Eifersucht
Statt die Trennung zu akzeptieren, kreist Sophies Kopf unaufhörlich um das „Warum“.
Sie analysiert jede Situation, jedes Gespräch, jedes Detail in der Hoffnung, eine Antwort zu finden, warum es zur Trennung kam.
Das kommt auch bei anderen Bindungsstilen vor, aber sie bleibt gedanklich stecken.
Sophie wird dann immer mal wieder zum Creepy-Ex und reagiert mit starker Eifersucht, wenn ihr Ex distanziert reagiert oder eine neue Beziehung hat.
Wie du glücklich in einer Beziehung wirst, wenn DU einen ängstlichen Bindungsstil hast
Oft herrscht der Irrglaube, dass Menschen mit einem ängstlichen Bindungsstil es grundsätzlich schwerer haben, eine glückliche Beziehung zu führen.
Doch das Gegenteil ist der Fall!
Gerade weil sie so viel Liebe, Aufmerksamkeit und Einsatzbereitschaft mitbringen, können sie erfüllende Beziehungen aufbauen.
Aber nur, wenn sie lernen, mit ihren eigenen Mustern achtsamer umzugehen.
Arbeite an deinem Selbstwert!
Sophie kennt das Gefühl nur zu gut: Wenn sie nicht genug Bestätigung bekommt, zweifelt sie sofort an sich selbst.
Doch sie hat gelernt, dass sie ihren Wert nicht nur über den Partner definieren darf.
Stück für Stück beginnt sie, wieder eigene Bereiche für sich zurückzuerobern:
Beispiele:
- Fokussiere dich vermehrt auf deine Hobbys oder
- beginne überhaupt, etwas Neues zu lernen.
- Ziele (in allen Lebensbereichen) können auch ein wunderbares Werkzeug sein, wieder mehr Fokus für dich zu bekommen.
Und wenn du merkst, dass es allein schwer geht – wir helfen dir gern weiter.
Unsere Coaches unterstützen dich, hier gute nächste Schritte zu finden und diese mit dir zu gehen:
>>> Hier kannst du dir gleich einen Coaching-Termin holen!
Übe dich in Emotionsregulation
Ein Charakteristikum eines ängstlichen Bindungsstils ist auch die oft schlecht ausgeprägte emotionale Regulationsfähigkeit.
Das kommt auch aus den Kindheitserfahrungen: Die eigenen Eltern (bzw. die Bezugspersonen) haben sich oft übermäßig fürsorglich verhalten und Emotionen aufgebauscht.
So hat auch Sophie nicht gelernt, ihre eigenen Emotionen zu regulieren.
Wenn Sophies Gefühle sie überwältigen, weiß sie heute, dass sie Strategien braucht, um wieder in die Balance zu kommen:
- Ablenkung: Sie lenkt sich bewusst ab, etwa mit einem Treffen mit Freunden oder ihrem Lieblingsfilm.
- Situation neu bewerten: Sie betrachtet die Situation aus einer anderen Perspektive, z. B. aus der Sicht ihrer besten Freundin.
- Emotionen benennen: Sie benennt ihre Emotionen klar: „Ich fühle mich gerade verunsichert.“
- Achtsamkeit: Mit Achtsamkeitsübungen bleibt sie im Hier und Jetzt.
- Emotionen akzeptieren: Sie erlaubt sich, ihre Gefühle zu fühlen, anstatt sie wegzuschieben.
Wenn das Gefühl weiter besteht, dass Emotionsregulation für dich herausfordernd ist, kann auch hier eine Psychotherapie zur Stärkung verschiedener Emotionsregulationsstrategien sinnvoll sein.
Sprich an, wie es dir geht!
Früher hätte Sophie ihre Ängste durch Klammern oder Rückzug ausgedrückt. Heute hat sie gelernt, darüber zu sprechen.
Gerade in Konfliktsituationen ist klare Kommunikation enorm wichtig, um etwaige Konflikte deswegen zu vermeiden.
Wenn ihr Partner zum Beispiel spät antwortet, sagt sie:
- „Vielleicht verstehst du nicht, warum ich mir Sorgen mache, aber es hat mich verletzt, als du gestern nicht geantwortet hast. Ich würde mir wünschen, dass wir das in Zukunft anders handhaben. Wie siehst du das?“
- Oder: „Ich weiß, dass du mich nicht absichtlich verunsichern wolltest, trotzdem hat es etwas in mir ausgelöst. Können wir in Zukunft dafür eine andere Lösung finden? Was schlägst du vor?“
Damit teilt Sophie klar mit, was in ihr vorgeht, ihr Partner versteht sie besser und sie können gemeinsam Lösungen finden.
Wie eine Beziehung gelingt, wenn der Partner ängstlich ist
Die gute Nachricht:
Bindungstypen sind nicht in Stein gemeißelt!
Mit den richtigen Erfahrungen kann man sich einem sicheren Bindungsstil annähern und auch eine Beziehung mit jemandem wie Sophie kann sehr glücklich und erfüllend sein.
Hier sind unsere besten Tipps, wie der Partner helfen kann:
Setze klare Grenzen
Sophie hat ein starkes Bedürfnis nach Nähe.
Das kann dazu führen, dass sie teilweise sehr präsent und anhänglich ist.
Für ihren Partner ist es daher wichtig, eigene Grenzen zu wahren, um seinen Bedürfnissen abseits der Beziehung weiter nachkommen zu können.
Um eine langfristige, glückliche Beziehung zu erhalten, muss der Partner auch gut auf sich achten und braucht neben der Beziehung auch weiterhin eigene Bereiche.
Damit das Sophie nicht zu ängstlich macht, sollte das gerade am Anfang klar kommuniziert werden.
Ihr Partner braucht eine gewisse Zeit für sich und möchte seinen Hobbys nachgehen.
Mit der Zeit wird Sophie merken, dass diese Aktivitäten für sie und die Beziehung keine Gefahr darstellen.
Achte auf konsistentes Verhalten
Sophie hat in ihrer Kindheit erlebt, dass Zuwendung oft wechselhaft und übermäßig fürsorglich war.
Deshalb gibt es ihr heute enorme Sicherheit, wenn ihr Partner konstant, zuverlässig und nachvollziehbar ist.
Dazu gehört, Absprachen einzuhalten, offen zu kommunizieren und ihr regelmäßig zu zeigen, was sie ihm bedeutet.
So entsteht Vertrauen und sie kann Schritt für Schritt entspannter werden.
Höre deinem ängstlichen Partner zu!
Wenn Sophie über ihre Sorgen oder Ängste spricht, braucht sie nicht sofort Lösungen, sondern zuerst ein offenes Ohr.
Wer sich die Zeit nimmt, ihr wirklich zuzuhören, signalisiert: „Deine Gefühle sind wichtig und haben hier Platz.“
Durch gutes Zuhören kann ihr Partner Sophie Raum für ihre Gefühle geben und gleichzeitig fördert er eine gesunde und unterstützende Dynamik, die beiden zugutekommt.
Zu Therapie oder Coaching ermutigen
Oft reicht die Unterstützung des Partners allein nicht, um alte Muster zu lösen.
Dann ist es hilfreich, wenn ihr Partner sie ermutigt, sich Unterstützung zu suchen, sei es durch Therapie oder Coaching.
Wichtig ist dabei:
Der Partner darf nicht in die Rolle des Therapeuten rutschen. Er ist ihr Partner, nicht ihr Retter.
Gerne helfen wir hier auch:
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Bonus-Tipp: Trigger herausfinden und vermeiden
Das hast du hier schon mal gelesen:
Sophie reagiert stark auf bestimmte Situationen, die ihr Bindungssystem in Alarmbereitschaft versetzen, etwa wenn ihr Partner zu spät kommt oder unerwartet distanziert wirkt.
Es hilft, wenn er ihre Trigger kennt und versucht, sie nicht unnötig auszulösen.
Ihr Partner sollte bewusst nach diesen Triggern fragen und wie er sie vermeiden kann.
So kann es für dich weitergehen!
Du hast nun gelernt, was den ängstlichen Bindungsstil ausmacht.
Erkennst du dich in diesem Bindungsstil wieder und würdest gerne das innere Kind in dir heilen und gemeinsam mit mir deinen Bindungsstil aufbrechen?
Oder hat dein Partner einen ängstlichen Bindungsstil und du möchtest wertvolle Tipps, wie eine Beziehung besser gelingen kann?
Dann zögere nicht und komm ins Coaching:
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Und mehr zum vermeidenden Bindungstyp kannst du in diesem Guide hier erfahren:
>>> Vermeidender Bindungsstil: Alles, was du dazu wissen musst!
Alles Liebe,
Elena





















