Es gibt einen Punkt, an dem „kämpfen“ in Wahrheit nur noch hinterherlaufen, idealisieren, interpretieren und sich selbst verlieren ist.
Aber es gibt auch sehr viele Geschichten von Paaren, die nach der Trennung wieder zusammengefunden haben.
Die eigentliche Frage ist also: Wann ist Ex zurück sinnvoll und wann ist Loslassen die bessere Entscheidung?
Genau das erfährst du in diesem Blogbeitrag.
Schnell-Einschätzung: Ex zurück oder loslassen?
Ex zurück ist vor allem dann sinnvoll…
- wenn es keine toxischen Muster gab,
- die Trennungsgründe konkret reparierbar sind,
- du selbst auch wirksame Hebel für Veränderung hast und
- du es dir später vorwerfen würdest, wenn du jetzt nicht alles gegeben hast.
Loslassen ist meist dann die bessere Entscheidung…
- wenn du aus einer toxischen oder narzisstischen Beziehung kommst,
- wenn es Unvereinbarkeiten zwischen euch gibt,
- wenn euer Nähe- und Distanzbedürfnis komplett unterschiedlich ist,
- bei deinem:r Ex gerade keine Kapazität für eine Beziehung besteht (z.B. wegen Krankheit, Stress, …) oder
- du einfach auch „durch bist“ mit der Beziehung.
Ob du bei deinem:r Ex noch eine Chance hast, kannst du auch mit unserem Chancen-Test herausfinden:
Ex zurück oder loslassen: Was dir KEINE guten Anhaltspunkte gibt für deine Entscheidung
Bevor wir zu den konkreten Kriterien kommen, müssen wir noch über 2 Fallen sprechen, die dich langfristig keine guten Entscheidungen treffen lassen.
Nämlich Sehnsucht und zu versuchen, durch möglichst viel Überlegen oder Nachdenken, zu einer guten Lösung zu kommen.
Falle #1: Sehnsucht als Maßstab nehmen (Bindungssystem)
Wahrscheinlich vermisst du deine:n Ex, und du willst unbedingt in die Beziehung zurück.
Vielleicht kannst du auch deswegen nicht gut schlafen oder hast keinen Appetit.
Das passiert, weil dein Bindungssystem aus allen Rohren so richtig feuert.
Dein Bindungssystem schreit nämlich: „Gefahr! Such Sicherheit!“
Denn es orientiert sich ja an wichtigen Bezugspersonen in deinem Leben und eine davon – vielleicht sogar die wichtigste in den letzten Jahren – war dein:e Ex.
Dass dein Bildungssystem das tut, ist jetzt mal weder gut noch schlecht, sondern einfach ein Fakt.
Aber gerade weil dein Bindungssystem so stark anspringt, ist es jetzt grundsätzlich keine gute Idee, NUR die Sehnsucht nach deinem:r Ex als Maßstab für Ex zurück oder loslassen zu nehmen.
Falle #2: Einfach drüber nachdenken
Die 2. Falle ist, planlos einfach „nur“ drüber nachzudenken.
Denn wahrscheinlich wirst du nach 100 Stunden des Grübelns immer noch nicht weiter sein, weil sich deine Gedanken weiterhin ständig im Kreis drehen.
Wenn du nämlich deinem Gehirn nur den Auftrag gibst: „Denk nach!”, dann tut es das auch, und zwar ohne Ende.
Damit du zu einer sinnvollen Entscheidung kommst, musst du deinem Gehirn einen „Nachdenk-Auftrag“ geben.
Und genau deshalb habe ich jetzt die Entscheidungskriterien für dich, die dich wirklich weiterbringen bei der Entscheidung: Loslassen oder Ex zurück?
Gehen wir es also Schritt für Schritt durch.
Kriterium #1: Gibt es „red flags“?
Das 1. Kriterium ist immer: Gibt es sogenannte „red flags“?
Das heißt:
Wie war die Beziehungsdynamik an sich?
Wurde in der Beziehung auf Augenhöhe miteinander kommuniziert?
Auch wenn ihr euch viel gestritten habt, ist es ein Unterschied, ob das auf Augenhöhe passiert ist, oder ob du immer von oben herab behandelt wurdest.
Klare „red flags“ sind
- narzisstische oder toxische Tendenzen und Manipulation in der Beziehung oder
- ein Kreislauf aus regelmäßiger Abwertung, gefolgt von „jetzt vertragen wir uns wieder“.
In solchen Fällen ist die Entscheidung relativ klar:
Loslassen ist hier immer der bessere Schritt.
Toxische Dynamiken machen die Sehnsucht oft größer!
Toxische Dynamiken lassen dich jedoch oft auch glauben, dass du unbedingt zurück in die Beziehung musst.
Gerade wenn es einen Wechsel zwischen Abwertung und „wir vertragen uns wieder“ gab, ist dein Bindungssystem darauf trainiert, immer darauf zu warten, dass es wieder bergauf geht.
Ganz im Sinne von: „Wir haben es eh schon mal schön gehabt, das wird sicher wieder.”
Das lässt dich umso stärker daran glauben, dass Ex zurück die richtige Idee ist, aber in Wahrheit würdest du nur in die gleiche Dynamik zurückgehen, die dir dann langfristig schadet.
Kriterium #2: Sind die Trennungsgründe reparierbar?
Das 2. Kriterium, um sauber zwischen Ex zurück oder loslassen zu entscheiden liegt in reparierbaren Trennungsgründen.
Reparierbar heißt:
Es hat ein klar benennbares Problem gegeben, das letztlich zur Trennung geführt hat. Und es ist auch prinzipiell lösbar.
Beispiele für reparierbare Trennungsgründe
Häufige reparierbare Trennungsgründe sind z.B.:
- „Ich hab mich gehen lassen“,
- „Ich hab meinen Partner vernachlässigt“,
- „Ich habe die Beziehung für selbstverständlich gehalten” oder
- „Wir haben uns auseinander gelebt”.
Oft werden reparierbare Trennungsgründe auch nicht ganz konkret benannt, und dann kommt es wegen „keinen Gefühlen mehr“ zur Trennung.
Unter reparierbare Trennungsgründe fallen aber auch Affären oder externe Faktoren wie Prüfungsstress, Jobverlust, Familienkrise, Arbeitsstress.
Oft liegen die Gründe auch in unreifer Konfliktführung oder schlechter Kommunikation, wenn man also nie über schwierige Themen reden konnte, um die Stimmung nicht zu trüben.
Was wir auch oft im Coaching als Trennungsgrund erleben ist, wenn das Leben sehr schicksalsgezeichnet ist, und man als Paar viele Krisen und Herausforderungen gemeinsam meistern muss.
Dann spürt man irgendwann, dass man nicht mehr weiß, wie man im Guten eigentlich miteinander funktioniert.
Weitere reparierbare Trennungsgründe können sein, dass z.B. einer unbedingt endlich zusammenziehen möchte, der andere braucht aber „zu lange”, und noch bevor er dann soweit ist, zerbricht die Beziehung.
Reparierbare Trennungsgründe reichen für Ex zurück nicht aus!
All das sind grundsätzlich reparierbare Trennungsgründe.
Und wenn die Trennungsgründe prinzipiell reparierbar sind, dann ist das ein klares „Thumbs up“ für Ex zurück.
Loslassen ist dann natürlich auch möglich bzw. sinnvoll. Aber das wird oft so als Standard-Lösung verkauft ohne Differenzierung der Situation.
Zusätzlich besteht dann die Gefahr, eine Beziehung wegzuwerfen, die vielleicht noch gerettet hätte werden können.
Kriterium #3: Hast du einen Hebel für Veränderung in den Trennungsgründen?
Gehen wir also jetzt einen Schritt weiter: Reparierbare Trennungsgründe allein reichen für ein Ex zurück Projekt nicht aus, deswegen braucht es auch das 3. Kriterium:
Gibt es auf deiner Seite einen wirksamen Hebel für Veränderung?
Kein Hebel bei Unvereinbarkeiten!
Hier müssen wir zuerst einmal über die sogenannten Unvereinbarkeiten sprechen. Die sind zwar theoretisch reparabel, aber du hast hier keinen Hebel.
Das sind Themen wie ein ungleicher Kinderwunsch, oder wenn das Nähebedürfnis völlig unterschiedlich bzw. die Bindungsbereitschaft sehr verschieden ausgeprägt ist.
Auch der Lebensort bzw. das generelle Lebensmodell (z.B. einer will Karriere machen, der andere eher einen gemütlicheren Job) können solche Unvereinbarkeiten sein.
Der Einfluss deines Ex-Partners
Und natürlich gibt es auch Situationen, wo beim Ex-Partner so viel los ist, dass es absolut keine emotionale Kapazität für eine Beziehung mehr gibt.
Das beobachten wir oft, wenn z.B. ein Elternteil verstirbt.
Oder auch in Fällen, wo ganz unterschiedlichen Bindungsstile aufeinander treffen.
Wenn z.B. der Ex-Partner so stark bindungsängstlich ist, dass eine Beziehung extrem schwierig ist und er sich diesem Thema auch nicht widmen will.
Oder was wir auch öfters im Coaching haben: ein Partner hat eine eher anstrengende Familie, wo sich die Eltern viel in die Beziehung einmischen, und dieser Partner schafft keine gute Abgrenzung.
Wenn es keinen Hebel für Veränderung gibt: Eher loslassen
All das sind Fälle, wo Ex zurück sehr schwierig ist, solange der Ex-Partner nicht selbst mitspielt, aus welchem Grund auch immer (weil er nicht will oder nicht kann).
So wird aus einem an sich lösbaren Problem eine Unvereinbarkeit, und es liegt dann am Ex-Partner, da was zu ändern.
Das heißt:
Solange du keine wirksamen Hebel hast, fällt Ex zurück als Option in sehr vielen Fällen raus, und es geht in Richtung loslassen.
Wann Ex zurück weiterhin möglich ist
Umgekehrt gilt es für Ex zurück:
Den zweiten „Thumbs up“ gibt’s dann, wenn du eben auch einen eigenen Hebel hast, selbst was zu tun.
Es gibt sehr viele Bereiche, wo man klar sieht: „Hey, das war mein Versäumnis. Das hole ich jetzt nach und dann zeige und kommunizieren ich das auch.”
Das sind Dinge, die du über dich selbst lernen kannst, und wo du vielleicht auch ganz präsent nach außen hin gerichtet was veränderst.
Das kann so aussehen, dass du
- dir dein Nähe-Muster anschaust,
- dich mit deinem Bindungsstil auseinandersetzt,
- lernst Grenzen zu setzen oder Entscheidungen zu treffen oder
- dich nicht mehr gehen lässt,
- selbstständiger wirst,
- usw.
In solchen Fällen hast du eine gute Grundlage, deinem:r Ex zu zeigen, dass sich bei dir wirklich was tut.
Und das ist, gerade für Ex zurück, eine der entscheidendsten Voraussetzungen: Die Veränderung in den Trennungsgründen und dass du diese dem Ex auch zeigst.
Gleich loslassen, wenn Ex sagt: „Es ist endgültig aus?“
Direkt nach Trennung kommt es oft vor, dass der Ex-Partner sagt: „Nein, auf keinen Fall würde ich es nochmal mit dir probieren“ oder dass du hörst, dass es endgültig aus ist.
Damit muss man zwar immer rechnen, aber das solltest du direkt nach der Trennung auch nur begrenzt ernst nehmen.
Denn es ist sehr oft so, dass dein:e Ex die Trennung zunächst mal als „endgültig“ ansieht, sonst wäre es ja keine Trennung, sondern eine Beziehungspause.
Und gerade bei Ex zurück arbeiten wir ja daran, aus diesem „Es ist endgültig“ innerhalb von 2 bis 3 Monaten ein „Ich mein es NICHT mehr endgültig“ zu machen.
Wie das genau funktioniert, erfährst du ja auch in unserer erfolgreichen Ex-zurück-Strategie.
Ein kurzes Zwischenfazit für deine Entscheidung für Ex zurück oder loslassen
Fassen wir einmal kurz zusammen:
Wenn es in der Beziehung „red flags“ gab (also generell toxische Muster), heißt es: Raus aus dieser Beziehung, also ins Loslassen gehen.
Wenn es Unvereinbarkeiten gibt, oder dein:e Ex gerade keine Beziehung führen kann oder will, solltest du eher auch ins Loslassen gehen, weil du sonst in einer Warte- oder Hoffnungsschleife feststeckst..
Wenn aber die Trennungsgründe reparabel sind, und du da auch einen Hebel bei der Veränderung hast, dann ist Ex zurück möglich.
Das heißt, im Zweifelsfall immer Ex zurück?
Nein, nicht ganz.
Wenn Ex zurück prinzipiell möglich ist, dann ist das letzte und vierte Kriterium für dich entscheidend.
Kriterium #4: Würdest du es dir später vorwerfen, nicht alles versucht zu haben?
Wenn Ex zurück prinzipiell möglich ist, und du dich trotzdem noch fragst, welcher Weg für dich der bessere ist, dann stelle dir folgende Frage:
„Würdest du es dir später vorwerfen, nicht alles getan zu haben?”
Es gibt nämlich auch Fälle, wo Menschen einfach 6 Monate oder länger nach der Trennung gewartet haben und erst dann gemerkt haben: „Hm… eigentlich hätte ich vielleicht doch um meine:n Ex kämpfen sollen.“
Doch dann ist es oft zu spät.
Denn es kann sein, dass sich der Ex-Partner da schon komplett neu im Leben orientieren hat.
Wenn wir die Entscheidung auf ein paar Sätze komprimieren wollen, dann ist Ex zurück dein Weg der Wahl, wenn du das sagen kannst:
„Ja, die Trennungsgründe sind lösbar und ich hab für mich auch Hebel, etwas zu verändern. Mein:e Ex ist mir sehr wichtig, und ich gebe einfach nochmal alles und lass nichts unversucht. Sollte es nicht klappen, dann weiß ich: Ich kann mit einem guten Gefühl gehen!“
Weil du eben alles gegeben hast und dir nachträglich dann auch nichts vorwerfen musst.
Nächste Schritte: Wie es jetzt für dich gut weitergehen kann
Egal, ob du ins Loslassen gehst oder dich für Ex zurück entscheidest, die Vorgehensweise nach der Trennung ist zunächst erstmal die gleiche.
Denn in beiden Fällen geht’s direkt in die Kontaktsperre.
Denn Kontakt nach der Trennung – oder genauer: Kontakt, der über Organisatorisches hinausgeht – ist nicht zielführend.
Einerseits für dich selbst, weil jeder Kontakt dich im Schmerz gefangen hält, indem dein Bindungssystem jedes Mal wieder aktiviert wird.
Das gilt insbesondere für Ex zurück, denn du machst dir mit Kontakt nach der Trennung in den meisten Fällen auch deine Chancen kaputt.
Du bestätigst nämlich deinem:r Ex, dass die Trennung die richtige Entscheidung war.
Mit jedem Kontakt, jedem Brief usw. packst du noch ein Schippchen Negatives mehr drauf.
Das heißt also in jedem Fall:
Du gehst in eine Kontaktsperre und arbeitest an den Trennungsgründen.
Gerade zweites ist auch im Fall von Loslassen wichtig, um in künftige Beziehungen keine Verletzungen oder Muster mitzunehmen.
Ex zurück oder loslassen: Du musst dich nicht gleich entscheiden
Ex zurück oder Loslassen ist in aller Regel auch kein Fall von „Ich entscheide das jetzt sofort endgültig“, sondern es ist ein regelmäßiges Nachspüren und Reflektieren.
Und meist entwickelt sich über die Zeit ohnehin eine gute Tendenz, die sich dann immer weiter festigt.
Nur in der heutigen Zeit glaubt man oft, alles immer sofort und gleich haben zu müssen.
Deswegen:
Wenn es keine „red flags“ gibt, die Trennungsgründe lösbar sind, du Hebel hast und es dir vielleicht künftig vorwerfen würdest, nicht alles gegeben zu haben, dann starte mit Ex zurück.
Andernfalls geh in Richtung loslassen.
Im Ex-zurück-Prozess: Wann du ins Loslassen gehen solltest
Und auch wenn du einen Ex zurück Prozess startest, bleibt diese Frage ja weiterhin aufrecht.
Denn wir haben im Coaching auch Fälle, wo Klienten mit Ex zurück starten und dann aber im Prozess merken: „Das tut mir nicht mehr gut, deswegen höre ich auf.”
Oder: „Ich habe mich verändert, aber mein Ex ist immer noch der Alte, deswegen will ich ihn gar nicht mehr.”
Auch da geht dann der nächste Schritt ins endgültige Loslassen.
Und mich würde interessieren:
Wo stehst du gerade?
Tendierst du eher in Richtung Loslassen?
Oder eher in Richtung Ex zurück?
Oder hast du schon einen Ex zurück Prozess gestartet?
Schreib mir das gern in die Kommentare.
Es ist sicher für alle, die hier gelandet sind, sehr interessant zu lesen!
Alles Liebe,
Stephan













